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Der Stadtteil Karsau
Karsau liegt mit seinen Teilorten Riedmatt und Beuggen liegt zw. 274 m üNN (Schloss Beuggen) und 380 m üNN (Sportplatz), auf einem Ausläufer des Dinkelberges, der bei Riedmatt bis zum Rhein hin vorstößt. Riedmatt liegt östlich von Karsau in einer kleinen, sich zum Rhein hin öffnenden Talmulde. Südwestlich von Karsau liegt Beuggen mit der hart am Rhein liegenden Schlossanlage der früheren Deutschordenskommende Beuggen. Der Rhein, bildet faktisch seit dem Friedensschluss von Campo Formio (17.10.1797), in Folge des für Habsburg-Österreich verloren gegangenen 1. Koalitionskrieges (1792 – 1797), die Staatsgrenze zwischen der heutigen Bundesrepublik Deutschland und der Schweizerischen Eidgenossenschaft.
Mit seinen rund 3.500 Einwohnern ist Karsau der zweitgrößte und gleichzeitig der jüngste Stadtteil von Rheinfelden (Baden). Die heutigen Ortsteile Karsau, Riedmatt und Beuggen sind als drei getrennte Dorfsiedlungen entstanden. Die erste urkundliche Erwähnung von Beuggen (villa Buchain) fällt im Zusammenhang mit der Übertragung des Beuggener Kirchensatzes in das Jahr 1218. Die Kirche, die einstmals dort stand, wo sich heute der alte Beuggener Friedhof befindet, stammte vermutlich aus altem Reichsgut. Ein Ritter Luthold von Bötzstein übertrug seinerzeit dem Edelknecht Mangold Chelhalda von Rheinfelden und seinen Söhnen Johannes und Mangold den Kirchensatz zu „Buckhein" (Beuggen), den Wald Hardt und die neuen Matten als Lehen für eine Schuld. Die Urkunde aus dem Jahre 1218 ist unter anderem vom Konstanzer Bischof Konrad II von Tegerfeld gesiegelt. Karsau wird erstmals im Jahre 1269 im Zusammenhang mit der Gründung des Deutschordenshauses Beuggen als „Carlesouwe" urkundlich erwähnt. Der Name hat sich um 1500 in „Carsaw" und um 1700 in die heutige Form "Karsau" gewandelt. Das einstmalige Fischer- und Flößerdörfchen Riedmatt wird in der gleichen Zeit unter der Bezeichnung „ze Riedmatten" erwähnt.
Im Verhältnis zu dem sonstigen Streubesitz beidseits des Rheines stellten diese drei Orte seit dem 13. Jahrhundert (bis zum Jahre 1806) das geschlossene Territorium der Deutschordenskommende Beuggen dar und bilden im Grunde seither auch eine verwaltungsmäßige Einheit. Die Deutschordensherren hatten hier die Grund- und Leibherrschaft, die niedere und seit 1739 auch die hohe Gerichtsbarkeit über ihre Untertanen inne. Der Güterbesitz des Ordenshauses war auf über 40 Ortschaften der Umgebung verstreut. Als Niedergerichtsherr in Beuggen, Karsau und Riedmatt gehörte der Komtur vom 15. Jahrhundert an zu den vorderösterreichischen Landständen. Zu den 15 Patronatskirchen und inkorporierten Pfarreien Beuggens zählten auch Lengnau, Frick, Möhlin, Gelterkinden, Wintersingen und Buus im Aargau.
Von je her waren Viehzucht - in Riedmatt auch die Fischerei und Flößerei und der Getreideanbau (Weizen, Dinkel, Gerste), daneben auch Obstbau, die Existenzgrundlagen der bäuerlichen Bevölkerung. Während der Kreuzzüge führten vom Heiligen Land heimkehrende Ordensritter Malvasierreben aus Griechenland ein, die im rauen Klima des Dinkelberges aber nie voll ausreifen konnten. Der „Karsauer Wein" war daher stets als sauer bekannt. Mit Beginn des 19. Jahrhunderts wurde der Rebbau allmählich vernachlässigt und verschwand am Ende ganz.
Bis zur Auflösung der Deutschordenskommende im Jahre 1806, stand die größtenteils kleinbäuerlich strukturierte Bevölkerung in höhriger fron- und zehntpflichtiger Leibeigenschaft der Deutschordensherren und hatten daher nicht nur unter Frondiensten, sondern auch unter Willkür und hohen Abgaben zu leiden. Zweimal jährlich versammelten sich unter den Kastanienbäumen bei der „oberen Kirch" die mannbaren Männer zum Ding- und Ruggericht. Dingpflichtig waren alle männlichen Personen vom 16. bis 60. Lebensjahr. Vor dem Ding- und Ruggericht wurden Streitigkeiten geschlichtet, Rechtsbrüchige bestraft und Klagen angehört. Ein Vogt leitete das Gericht, verkündete die Urteile und lies sie vollstrecken. Der Dingrodel, heute aufschlussreiche Fundgrube über die wirtschaftlichen Verhältnisse jener Zeit, enthielt die Dinggerichtsordnung, althergebrachte Rechte, Fronverpflichtungen, Zehnt- und andere Abgaben.
Im Jahre 1534 wurden in Karsau und im Schlossareal zwei Zentscheunen gebaut. Die Karsauer Zehntscheune (später Gemeindetrotte) ist noch erhalten, während die größere Zehntscheune im Schloss im Jahre 1901 ein Raub der Flammen wurde. Der Fruchtspeicher (die „Schütte") ist als Teilgebäude im Schloss Beuggen jedoch noch erhalten. 
Während des 30-jährigen Krieges (1618 - 48) war das damals unbesiedelte rechtsrheinische Nollinger Rheinfeld zwischen dem Deutschritterordenshaus Beuggen und den Dörfern Nollingen und Warmbach mehrfach Schauplatz kriegerischer Auseinandersetzungen. Auf protestantischer Seite kämpften die Schweden und französische Hugenotten gegen die Kaiserlichen. Strategisch wichtig und daher heftig umkämpft war in jener Zeit die Zähringerstadt Rheinfelden jenseits des Rheins und deren Rheinbrücke. Mehrfach wurde sie von schwedischen Truppen angegriffen und belagert. Aus dieser Zeit stammt die heute noch als Erdwall sichtbare Schwedenschanze, einige Meter oberhalb der Straßenbrücke über den Dürrenbach, an der Kreisstraße nach Minseln (K 6333). Südlich davon tobte am 18. und 21. Februar 1638 die in die Geschichte eingegangene „Doppelschlacht bei Rheinfelden".
1678 bestürmten die Franzosen 14 Tage lang die befestigte Zähringerstadt Rheinfelden und lagerten zwischen Beuggen und Warmbach. Vom linken Rheinufer aus schoss die kaiserliche Artillerie auf die französischen Stellungen bei Beuggen wobei die alte, St. Michael geweihte Kirche auf dem alten Friedhof in Beuggen vollständig zerstört wurde. Dieses, „obere Kirch" genannte und aus altem Reichsgut stammende Gotteshaus stand schon vor der Niederlassung der Deutschordensritter auf dem alten Friedhof in Beuggen. Der Friedhof war der Kirchhof in welchem die Toten bestattet wurden. Zur dieser Pfarrkirche gehörten auch die Sprengel Karsau und Riedmatt.
Die zur Ordensburg gehörende Marienkirche wurde die „untere Kirch" genannt, während die Pfarrkirche „obere Kirch" oder „Pfarrei Oberkirch bei Beuggen" genannt wurde. Die „obere Kirch" wurde nach ihrer Zerstörung durch die Franzosen nicht mehr aufgebaut. Von da an, bis 1992, war die Marienkirche im Schloss offizielle Pfarrkirche der katholischen Pfarrgemeinde Beuggen-Karsau.
Im Jahre 1724 (Innerdorf) und 1726 wurde Karsau und Riedmatt von einem Großfeuer heimgesucht, dem in Karsau 25 und in Riedmatt 5 einfache und noch mit Stroh gedeckte Häuser zum Opfer fielen. In den strohgedeckten Häusern fand das Feuer reichlich Nahrung.
In den letzten Jahren des ausgehenden 18. Jahrhunderts brachten die napoleonischen Kriege immer wieder Tod und Verwüstung. Karsau, Riedmatt und Beuggen lagen im Durchzugsgebiet der verfeindeten Staaten, Plünderung und Brandschatzung waren auch hier an der Tagesordnung und stürzten die Bevölkerung abermals in Armut und Verzweiflung.
Als im Jahre 1806 der vorderösterreichische Breisgau an Baden fiel und die Deutschordenskommende Beuggen aufgelöst wurde, gingen die österreichische Landeshoheit und die grundherrlichen Rechte, der Deutschordensherren, an das Großherzogtum Baden über. Karsau, Riedmatt und Beuggen gehörten von nun an zum neu geschaffenen Amt Nollingen, das 1808 seinen Sitz nach Beuggen verlegte. 1810 wurde das Amt Nollingen aufgelöst, Karsau kam mit Riedmatt und Beuggen zum großherzoglich-badischen Amtsbezirk Säckingen.
Nachdem Napoléons „Grande Armee" 1812 in Russland untergegangen war und erfolgreiche Aufstände der Spanier und der Tiroler den Mut der unterdrückten Nationen belebt hatten, erhoben sich die europäischen Völker 1813 – 1815 gegen Frankreich. Während dieser Befreiungskriege wurde auf Schloss Beuggen ein Feldlazarett eingerichtet. Über 3000 österreichische, württembergische, bayrische uns sächsische Soldaten starben dort in kurzer Zeit an Wundfieber und Typhus und wurden namenlos in Massengräbern im Schlossgarten beigesetzt und genießen dort ewiges Ruherecht. Heute erinnert noch ein monumentales Denkmal an die besondere Tragik der damaligen Ereignisse.
Während der Badischen Revolution im Jahre 1848/49 verhalf Ludwig Bannwarth, der spätere „Sängervater von Karsau", dem nach dem Gefecht bei Dossenbach am 27. April 1848, mit seiner Frau Emma auf der Flucht befindlichen Freischarenführer Georg Herwegh zur Emigration in die Schweiz.
Am 30. Juni 1893 bewilligte der Karsauer Gemeinderat das Konzessionsgesuch, der aus einem Konsortium bestehenden Vorbereitungsgesellschaft, zum Bau des ersten europäischen Flußkraftwerkes, das auf Karsauer Gemarkung, im Gewann Rheinfeld geplant war. Dies war, wenn man so will, die „Geburtsstunde" der heutigen Stadt Rheinfelden (Baden), deren Entwicklung mit dem Kraftwerksbau ihren Anfang nahm.
Am 01. Januar 1975 hörten Karsau, Riedmatt und Beuggen (erst seit 1900 Dorf) auf, eine selbständige Gemeinde zu sein. Gemäß § 53 dem am 04. Juli 1974 vom Landtag von Baden-Württemberg beschlossenen und am 01.01.1975 in Kraft getretenen „Gesetz zum Abschluss der Neuordnung der Gemeinden (Besonderes Gemeindereformgesetz) vom 09. Juli 1974" wurde die Gemeinde Karsau gegen den erklärten Willen der Bevölkerungsmehrheit in die Stadt Rheinfelden (Baden) eingegliedert, das heißt per Gesetz zwangseingemeindet.
Das Gemeindewappen:
Nachdem die Deutschordensherren infolge der Säkularisation im Jahre 1806 die Grundherrlichkeit über Karsau und die Banne Riedmatt, Beuggen und Hollwangen verloren hatten, führte die politisch neu gebildete, zunächst dem Amt Nollingen zugeordnete Gemeinde in Ermangelung eines eigenen Gemeindewappens zunächst das badische Staatswappen als offizielles Gemeindewappen (in goldenem Schild ein roter Schrägrechtsbalken). Da sich die Karsauer mit der neuen und ungewohnten Landeshoheit, nicht zuletzt wegen des „irrgläubigen“, weil protestantischen Landesherrn, Großherzog Carl Friedrich, lange Zeit nicht abfinden konnten und wollten, wurde das Badische Landeswappen auch nur „pro forma“ als Gemeindewappen geführt. Zum Siegeln offizieller Schriftstücke wurde stets ein vertieft gravierter, kreisrunder Handstempel mit der Umschrift: GEMEIND KARSAU und RIEDMATT verwendet. Dieses, leider in Verlust geratene Petschaft, zeigte einen Bienenkorb, umgeben von landwirtschaftlichen Symbolen (Sense, Fruchtwanne, Heugabel und Rechen), welche auf den nahezu ausschließlich landwirtschaftlich geprägten Charakter des Ortes hinwiesen und in sehr origineller Weise die Arbeitsamkeit, den Ordnungssinn und den Fleiß der Bevölkerung versinnbildlichten.
1902 erklärte das Generallandesarchiv in Karlsruhe generell das badischen Wappen als Gemeindewappen für unzulässig. 1904 wurde das vereinfachte Siegelbild der Karsauer Petschaft offizielles Wappenbild der Gemeinde. Der darin enthaltene Bienenkorb wurde vom Generallandesarchiv unter Farbgebung in einen Schild gestellt und so, heraldisch gesehen, zum „redenden Gemeindewappen“, das seit 1904 nun das offizielle Hoheitszeichen des Dorfes ist.
Das Wappen von Karsau zeigt auf blauem Schild einen goldenen Bienenkorb, womit symbolisch auf Fleiß und Strebsamkeit der Bewohner hingewiesen wird.


Mehrfach wurden nach 1806 die Gemeindegrenzen arrondiert und geändert. Besonders gravierend wirkten sich die behördlich veranlassten Gebietsabtretungen im Bereich der westlichen Gemarkungsgrenze aus. Die auf die topgraphischen Landeskarte der Schweiz (Blatt 1048, Rheinfelden, 1982) projizierte westliche Gemarkungsgrenze von Karsau zeigt deren Verlauf vor dem 01. April 1901 (rot dargestellt), beginnend an der Staatsgrenze in Rheinmitte, in nördlicher Richtung verlaufend. Ferner ist der Verlauf der Gemarkungsgrenze zwischen Nollingen und Karsau im Industriegebiet, nach der zum 01. April 1901 erfolgten Flächenabtretung an Nollingen, blau dargestellt.
Wie man sieht, entwickelte sich die „Rheinfelder Siedlung“ vollständig auf den zwischen 1935 und 1939 an Rheinfelden abgetretenen Gewannen An der Basler Strasse, Reppis und Burboden, sodass seit 1938 im Bereich der Rheinfelder Siedlung, die Römerstraße und der Dürrenbach (bis zur Dürrenbachstraße) hier die Gemarkungsgrenze bilden.
Der Stadtteil Karsau besteht heute aus der Gemarkung der früheren Gemeinde Karsau ohne die Gebiete südlich der Römerstraße (Trassenführung nach dem am 07.03.1980 genehmigten Flächennutzungsplan) bis zur Schildgasse, über das Kraftwerksgelände zur Bundesstraße 34 (Friedrichstraße/Scheffelstraße) und südwestlich der Werksgrenzen entlang der Fa. DEGUSSA, Werk Nord, und dem Werk III der Fa. Aluminium Rheinfelden GmbH, bis zum Rhein.
Geologische Besonderheiten: Der gesamte Dinkelberg stellt eine gut abgegrenzte Scholle zwischen dem Wiesental und dem Hochrheintal im Norden und Süden, dem unteren Wehratal und dem vorderen Wiesental zwischen Brombach und Basel im Osten und Westen dar. Geologisch betrachtet, besteht das gesamte Dinkelbergplateau im Wesentlichen aus rauchgrauem Kalk (Muschelkalk) und aus Mergel (auch Keuper genannt) und ist eine dem Schwarzwald vorgelagerte Vorbergzone. Der in hohem Maße zerklüftete und deshalb stark durchlässige Muschelkalk erklärt die scheinbare "Wasserarmut" und die Tatsache, weshalb sich auf Gemarkung Karsau kaum nennenswerte oberirdische Fließgewässer finden. Niederschläge versickern rasch in den Kalkbänken und fließen dann im undurchlässigen Mergel. So sind durch Auslaugung (Erosion) des Kalkes ganze Höhlensysteme entstanden, in denen sich die Bäche sammeln ohne an die Oberfläche zu gelangen. Dies ist die Ursache dafür, dass sich auf Gemarkung Karsau - wie auf dem gesamten Dinkelberg, zahlreiche Dolinen (Erdfälle), Karstquellen und Trockentäler befinden. Bedeutende geologische Besonderheiten auf Gemarkung Karsau sind die Tschamberhöhle bei Riedmatt (als Schauhöhle touristisch erschlossen) und das Teufelsloch, die größte Einsturzdoline des Dinkelbergs, welcher sich in 45 m Tiefe ein großes Höhlensystem anschließt.
Die „Tschamberhöhle" ist so eine typische Erosionshöhle. Als eine von lediglich drei, im Muschelkalk liegenden Schauhöhlen in Deutschland, ist sie für Besucher ausgebaut. Sie erlaubt quasi einen "Röntgenblick" in das Innere des Dinkelbergmassivs und wird mit Recht als ein besonderes Naturwunder bezeichnet. Die Höhle ist von April bis Oktober an Sonn- und Feiertagen von 14.00 bis 17.00 Uhr geöffnet.
Unzählige Auswaschungen in Form von Zacken, riffelartigen Mustern und Karren (Schratten), die ganze Partien überziehen, prägen in dem auf 600 m ausgebauten Besucherteil das Bild, der Tschamberhöhle. Sie ist eine aktive Erosionshöhle und vermittelt dem Besucher bei seiner Reise einen eindrucksvollen Einblick ins Innere eines Karstgebirges. Mehr zur Tschamberhöhle unter http://www.schwarzwaldverein-karsau.de

Die Tschamberhöhle, die Einsturzdoline „Teufelsloch“, zwei große Karstquellen – die „Mühlebachquelle" beim Schloss Beuggen und die an der westlichen Gemarkungsgrenze befindliche „Linsenbachquelle", die „Nagelfluhhöhle“ östlich von Riedmatt - sowie das „Moosloch" an der Gemeindeverbindungsstraße von Karsau nach Nordschwaben sind aufgrund ihrer geologischen Bedeutung als Naturdenkmale besonders geschützt. Die Dolinen, Trockentäler und die sonstigen karstspezifischen Erscheinungen, unterliegen den Biotopschutzbestimmungen des § 24a Naturschutzgesetz (NatSchG). Bemerkenswert sind letztlich auch die mächtigen, durch Gletscherdruck während der letzten Eiszeit als Konglomerat der tertiären Molasse aus Kalkgeröllen oder kristallinen Geröllen mit Sandstein als Bindemittel verursachten Nagelfluhformationen oberhalb von Riedmatt. Bis auf etwa 350 m ü.NN steigen die aus der Tallage des Rheins herrührenden Geröllmassen an und bilden die typischen, zu Nagelfluhbänken verfestigten Hochterrassen.
Schloss Beuggen
Schloss Beuggen ist die älteste, in ihrem Baubestand noch erhaltene Schlossanlage des deutschen Ritterordens im süddeutschen Raum, Von 1246 bis 1806 war das Schloss Ordenshaus (Kommende) der gesamten Ballei (Provinz) Elsass-Burgund das jeweils von einem Komtur geleitet wurde. Auf der Schiffsreise zur Kaiserkrönung in Aachen machte Gertrud von Habsburg am 12. Oktober 1273 in der Burg Station. Nach § 19 der Rheinbundakte vom 12. Juli 1806 kam die Kommende Beuggen in den Besitz des Großherzogs von Baden.
Während der Befreiungskriege (1813/15) wurde am 23. Dezember 1813 in dem seit 1806 verwaisten Schloss Beuggen ein „Königlich Österreichisches Filialfeldspital“ errichtet. Massenhaft wurden die Verwundeten und Kranken aus diesem Winterfeldzug nach Deutschland zurückgeschafft, u. a. auch in das Beuggener Feldlazarett, welches bis zum 13. November 1815 existierte. Zwischen 3.000 – 4.000 Soldaten, es waren in der großen Mehrheit Österreicher, aber auch einige Preußen, Bayern, Württemberger und Sachsen, starben hier an Typhus und Wundbrand und wurden in Massengräbern beigesetzt.
Kaspar Hauser (1812 – 1833), das wohl berühmteste Findelkind Europas, war nach derzeitigem Stand der Kaspar-Hauser-Forschung erster männlicher Nachkomme von Großherzog Karl Ludwig Friedrich von Baden (1786 – 1818), und Stefanie de Beauharnais (1789 – 1860), eine Adoptivtochter des Franzosenkaisers Napoléon Bonaparte und damit der Badische Erbprinz. Wegen dynastischer Machtansprüche, kurz nach der Geburt mit einem sterbenden Kind in der Wiege vertauscht, kam Kaspar Hauser 1815/16 - etwa 3-jährig - in Begleitung einer Gouvernante, in das nach der Lazarettzeit allgemein gemiedene Schloss Beuggen. Hier hat Kaspar Hauser mutmaßlich vier weitere Jahre seiner Kindheit verbracht, bis seine Odyssee mit unbekanntem Ziel weiterging. Dafür spricht die kindliche Rötelzeichnung eines Pferdes, die im Dezember 2001 in einem Raum im alten Schlossgebäude, der von der Kellerseite her nicht zugänglich war, gefunden wurde. Dieser Raum könnte eine Art Verlies für Kaspar Hauser gewesen sein.
1820 gründeten Christian Heinrich Zeller und Christian Friedrich Spittler im Schloss die vom Basler Pietismus (Christentumsgesellschaft) und von der Pädagogik Johann Heinrich Pestalozzis geprägte Freiwillige Armenschullehrer- und Armenkinderanstalt Beuggen. 1980 wurde das Kinderheim geschlossen. Seit 1983 betreibt die Evangelische Landeskirche in Baden, die durch Schenkung seitens der evangelischen Missionsgesellschaft Basel seit 1954 im Besitz von Schloss Beuggen ist, hier die Evangelische Bildungs- und Tagungsstätte Schloss Beuggen. Im vergangenen Jahr hat sich auf dem Gelände von Schloss Beuggen die Kommunität Beuggen e. V., eine christliche Lebensgemeinschaft, angesiedelt. Sie trägt hier neben den Veranstaltungen der Tagungsstätte ebenfalls zum geistlichen Leben bei.
Seit 1978 betreibt die Tüllinger Höhe, Fachdienst für Kind und Familie e.V. in Lörrach-Tüllingen (eine Jugendeinrichtung der Diakonie Baden) hier die „Außenstelle Beuggen“, ihrer staatlich anerkannten Privatschule für Erziehungshilfe und heilpädagogische Tagesgruppen.
© Jürgen Räuber, Karsau
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